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Weihnachtsbuch Unvergessene Weihnachten Band 6

Weihnachtsbuch Unvergessene Weihnachten Band 6

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Die Weihnachtsbücher "Unvergessene Weihnachten " sind stimmungsvolle Firmengeschenke zum... mehr

Die Weihnachtsbücher "Unvergessene Weihnachten" sind stimmungsvolle Firmengeschenke zum Nikolaus, für die Adventszeit und zu Weihnachten.

Das 6. Band eröffnet Erinnerungen aus alten Zeiten aus den Jahren 1925-2005. Eine etwas andere Geschenke-Idee zu Weihnachtszeit. Diese Ausgabe gibt es zum ersten mal auch als gebundenes Buch mit Lesebändchen.

Die Erinnerungs- und Lesebücher aus dem Zeitgut Verlag sind perfekte Weihnachtspräsente für Mitarbeiter und Kunden. Mit hunderten von Weihnachtsgeschichten und Weihnachtserinnerungen geben sie genug Lesestoff zum Schmunzeln, zum Anrühren und Nachdenken. Sie zeigen das pralle Leben des letzten Jahrhunderts.

Weitere Infos:

192 Seiten mit vielen Abbildungen, Ortsregister, als Taschenbuch oder gebundenen Ausgabe mit Lesebändchen

Verschenken Sie die komplette weihnachtliche Buchreihe

Alle 10 Taschenbücher aus der Weihnachtsbuch-Reihe "Unvergessene Weihnachten" bieten wir auch in einem schönen Schuber zum Vorzugspreis von je 59,00 EUR inkl. MwSt. an (Einzelpreis 6,90 EUR je Taschenbuch).

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Sie können von allen Büchern ganz nach Belieben Ihre Wunschmenge zusammenstellen, z.B. 20x Band 1 + 30x Band 3 oder einfach nur 50x Band 1 ... ganz wie Sie es wünschen.

Der geteilte Holzbaukasten Walter Unrecht Hirschau bei Reichling/Lech, Bayern; 1945 Meine... mehr

Der geteilte Holzbaukasten
Walter Unrecht

Hirschau bei Reichling/Lech, Bayern; 1945
Meine Mutter war Ende 1941 einem Aufruf der Stadt München gefolgt, Soldatenfrauen mit Kindern, die in der Stadtmitte wohnten, könnten sich evakuieren lassen. Wir wurden dem Ort Reichling am Lech, siebzig Kilometer von München entfernt, zugewiesen. Noch einmal drei Kilometer von dort entfernt, in der Hirschau am Lech, lag ein Gutshof mit Gastwirtschaft, wo der Bürgermeister uns und andere Flüchtlinge in einem Nebengebäude einquartierte. Bei der Verteilung der Wohnungen wurde uns beiden ein großes Zimmer zugeteilt. Die andere, immerhin fünfköpfige Familie bekam zweieinhalb Zimmer. So hatte ich außer dem Gastwirtssohn Rupert drei weitere Spielgefährten. 
Mein Papa kam nach seinem Lazarettaufenthalt in Dänemark im Sommer 1945 heim. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als wäre es heute. Wir Kinder spielten gerade im Wirtsgarten unter den Kastanienbäumen, als ein Mann auf uns zukam. Meine Freunde schrien: „Walter, dein Papa kommt!“
Ehe ich mich umdrehen konnte, hatte er mich schon hochgehoben und fest an sich gedrückt. Auch ich wußte sofort, das ist mein Papa, zumal Mama mir oft genug sein Foto gezeigt hatte. Die Freude war so groß, daß ich ihm einen Kuß gab und ihn immer wieder umarmte. 
Weihnachten stand vor der Tür, und nun konnten wir das Fest zum ersten Mal gemeinsam feiern. Während ich schlief, stellte mein Papa in den Nachtstunden zum Heiligen Abend hinter einem aufgespannten Bettuch den Christbaum auf und schmückte ihn, damit ich am Morgen davon überrascht würde. Doch einige wenige Geräusche ließen mich wach werden. Ich sah Schattenspiele hinter dem Bettuch, und obwohl erst sechs Jahre alt, wußte ich sofort, was da los war. Ich rührte mich aber nicht, weil ich Papa beim Schmücken des Baumes nicht stören wollte.
Von diesem Moment an wußte ich, daß nicht das Christkind, sondern die Eltern den Weihnachtsbaum und sicher auch die Geschenke kaufen. Aber ich war nicht enttäuscht. Es ist doch egal, dachte ich, wo der Baum und die Geschenke herkommen, die Hauptsache ist, Weihnachten läuft nicht ohne Gaben ab. 
So war es auch. Papa schenkte mir am Heiligen Abend einen großen Holzbaukasten. Doch die Freude hielt nicht lange an. Als er am nächsten Tag für einige Stunden außer Haus war, nutzte Mama die günstige Gelegenheit. So viele Holzbauklötze brauche ich doch nicht, meinte sie. Ich könne dem Sohn unseres Hausherrn einige Bausteine abgeben, schlug sie vor, und dafür würde sie ein paar Eier und ein Pfund Butter eintauschen. Murrend und schweren Herzens gab ich ungefähr die Hälfte von dem Holzbaukasten her. Mama eilte sofort zur Bäuerin, ehe ich’s mir anders überlegte, und kam wenig später mit Eiern und Butter zurück. Gott sei Dank hatte Papa von dieser Aktion nichts gemerkt, der Handel hätte sonst nicht stattgefunden. 
Einen Tag später war der Bub mit seiner Mutter bei uns und diese beschwerte sich, ihr Rupertl könnte die Kirche nur ohne Kirchturm bauen und für die Häuser seien lediglich die Dächer vorhanden. 
Meine Mama schaute ungläubig drein und antwortete nach längerem Überlegen: „Dann kann mein Bub ja auch kein komplettes Dorf aufbauen. Wie lösen wir das Problem?“ 
Die Eier, teilte sie mit, seien schon gegessen und von der Butter sei auch nicht mehr viel übrig. 
Wir sollten alle Bausteine hergeben, forderte darauf die Bäuerin, ich könne ja damit zusammen mit ihrem Buben spielen. Dort hätten wir ja auch mehr Platz.
Mit tränenden Augen rückte ich die mir gebliebenen Bausteine auch noch heraus. Ich war sehr traurig und fand, dies sei die schlechteste aller Lösungen. Aber es half nichts. Zum Trost bekamen wir noch einige Eier, damit war der Handel perfekt. So schnell waren sich die beiden Mütter einig, und ich hatte das Nachsehen! 
Fortan ging ich in Rupertls Bauernstube zum Spielen. Ein schlechtes Gewissen hatte Mama aber doch. So erklärte sie mir, wir lebten in einer schlechten Zeit, wo gute Lebensmittel wie Eier und Butter notwendiger seien als Bauklötzchen. Aber jetzt würde doch alles viel besser. Der Krieg sei zu Ende und der Papa sei auch wieder da. In Zukunft, versprach sie mir, bekäme ich viele, viele Geschenke, nicht nur zu Weihnachten. 
„Und die größte Überraschung ist doch für uns“, schloß sie, „daß Papa eine neue Wohnung im Ort für uns besorgen wird.“ 
So war der Weihnachtsfrieden wieder hergestellt.
Es dauerte aber noch lange zweieinhalb Jahre, bis wir endlich ein eigenes Zuhause im Ort bekamen – zu viele Flüchtlinge und Evakuierte waren in Reichling aufgenommen worden. Unser größtes Glück erlebten wir aber 1951, als wir endlich wieder in unser geliebtes München ziehen konnten, wo sich meine Eltern eine neue Existenz aufbauten.

BildWeihnachten in schweren Zeiten. Mama und ich im Jahr 1943
 
 
Der Weihnachtsmannschlitten
Horst Winkler
 
Badersleben, Gemeinde Huy, im Harzvorland, Sachsen-Anhalt; 1938
Es war Heiligabend 1938, wir wohnten in Badersleben im Wietholz. Die Bescherung war vorüber. Ich wollte in der Nachbarschaft meinen Freund und Spielkameraden Hilmar Osteroth besuchen und ihm erzählen, was der Weihnachtsmann mir unter den Christbaum gelegt hatte. Leider war die Hoftür verschlossen. Die Familie saß wohl in der „guten Stube“ und freute sich über das Weihnachtsfest. Später hörte ich, er habe eine Laterna Magica*) bekommen. Wie oft haben wir dann zusammengesessen und uns die bunten Bilder von „Robinson Crusoe“, „Max und Moritz“ und der anderen Geschichten damit angesehen!
Ich stand also draußen vor der Tür, es war ein Bilderbuch-Heiligabend: Der Schnee fiel langsam hernieder, schon bedeckte er fast fußhoch Weg und Steg; die Straßenlaterne hatte eine weiße Haube und unsere Schlittenbahn am Berg war zugeschneit. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, ringsum alles ruhig – eine stille Nacht ganz wie in dem bekannten Weihnachtslied. Da hörte ich von weitem das Klingeln von einem Pferdeschlitten. Es kam näher – und richtig, auf der Straße vom Ort her sah ich zwei Lichter aufscheinen. Ich habe wohl wie gebannt am Straßenrand gestanden und nach dem Gefährt gesehen, das nun herankam: zwei Pferde, ein großer Schlitten, rechts und links Lampen, hinten auf den Sitzen vollgestopfte Säcke, und auf dem Bock saß er, es konnte kein anderer sein, der Weihnachtsmann!
In Sekundenschnelle war er an mir vorbeigefahren, der Schnee stiebte hinter ihm. Eine Weile sah ich noch die Lichter und hörte das Schellengeläut, schließlich verschwand die Erscheinung Richtung Spring-Kuhberg. 
Ich weiß nicht mehr, wie schnell ich wieder ins Haus kam. Die Eltern wunderten sich, daß ich den ganzen Abend so still war, doch ich behielt mein Erlebnis für mich, sie hätten ja doch bloß mit dem Kopf geschüttelt.
Am nächsten Tag erzählte ich meinem Vetter Hans, was mir der Weihnachtsmann an Spielzeug gebracht hatte. Der tippte sich aber nur vor den Kopf und sagte: „Hör auf mit deinem Weihnachtsmann! Den hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben!“ 
Ich wußte es aber besser, denn ich hatte ihn ja wirklich gesehen! 
Wohl dreißig Jahre später, ich war zu Besuch in Badersleben, saß ich mit dem Bauern Rudolf Lohse zusammen. Er, ein passionierter Jäger, kam ins Plaudern und schwärmte von den guten alten Zeiten mit ihren Treibjagden, den vielen Hasen und Rehen, die es damals noch gab. Aber, so sagte er mir, er habe auch in strengen Wintern dafür gesorgt, daß die Waldtiere nicht hungern mußten, vor allem das Rotwild. Eine besondere Freude war es ihm aber, am Heiligen Abend mit dem Schlitten Heu und Rüben zur Wildfütterung zu bringen und damit seinen Schützlingen im Wald eine Weihnachtsbescherung zu bereiten. Da hatte ich meinen Weihnachtsmann! 
Ich war gar nicht so glücklich zu wissen, wer da damals an mir vorbeigerauscht war!

*) Früher Vorläufer des Diaprojektors, jedoch ausschließlich als Spielzeug verwandt. In eine Halterung wurden längliche Glasscheiben geschoben, auf die vier bis sechs Bilder gemalt waren, die dann vergrößert auf der Projektionsfläche – meist einfach auf einer Wand – erschienen.
 

Die Weihnachtsüberraschung
Inge Handschick

Ein Dorf in der Lausitz, nahe Zittau, Sachsen, damals DDR, 70er Jahre
Es schneit. Na endlich! Else Pfennigwerth steht vor der Tür ihres niedrigen Fachwerkhauses, schnauft zwei-, dreimal und spürt, wie die Kälte an den Nasenlöchern kitzelt. Sie entschließt sich dennoch, bis zum Gartenzaun zu gehen. Mit dem Ärmel streift sie ein wenig Schnee vom Pfosten, er rieselt fein und glitzernd nieder. Else hat sonst kaum einen Blick dafür und heute schon gar nicht. Sie hält nach Emil Ausschau. Eine ganze Weile steht sie, schiebt die Schultern vor, bläst ab und zu in die roten Hände. Schließlich zieht sie sich doch in die warme Stube zurück.
Kein Geräusch entgeht ihr. Als sich Emil endlich auf der gummigeflochtenen Matte umständlich die Schuhe abtritt, pflanzt sie ihre Stattlichkeit breitbeinig vor ihm auf.
„Waaas? Drei Tage vor Weihnachten noch keinen Christbaum? Da sieht man mal wieder, wie ich mich auf dich verlassen kann! Fünfzig Jahre sind wir verheiratet, immer habe ich die Bäume besorgt. Du kannst bloß nörgeln. An einem fehlt ein Ast, der andere ist dir zu teuer – ansonsten ist nichts mit dir los. Ph!“ Mit einem aufreizenden Ruck dreht sich Else um.
Emil ist nicht gerade der Wendigste, aber wenn es gilt, seine männliche Ehre zu retten, fällt ihm noch rechtzeitig eine Ausrede ein: „Es ... gab bloß noch große, nichts für uns.“ 
Bevor er sich ausdenken kann, daß noch eine Lieferung kommen soll und er später noch einmal zur Verkaufsstelle gehen wird, ist Else schon zur Tür hinaus. Sie stürmt zum Autobus und kauft in der Kreisstadt eine Fichte. Eine knappe Stunde später ist sie wieder da.
„Vater!“ schreit sie im Hausflur. So laut, daß Emil aus dem Sessel auffährt und ihm die Zeitung vom Gesicht fällt. 
„Was? Das soll ein Christbaum sein? Ein Reisigbesen ist das!“ höhnt er und holt eine prächtige Kiefer aus der Flurecke. „Neue Lieferung. Das beste Stück, sage ich dir. Vier Frauen wollten sie haben, aber Emil war schneller.“ 
Er glaubt beinahe selber, was er sagt, und Else verschlägt es die Sprache. Flugs versteckt sie ihren Dürfterling im Schuppen.
„Was hat er denn gekostet, der Sturzel?“ fragt Emil, sobald sie sich wieder sehen läßt.
„Vier Mark fünfzig“, lügt Else und denkt: Das Fahrgeld auch noch ... braucht er nicht zu wissen ... Was er nicht weiß ...
„Ziemlich teuer für einen Kasten Feuerholz!“
Emil brummelt vor sich hin, während er seine Prachtkiefer in einen Zuber mit Wasser stellt. Anschließend schlurft er zum Schuppen, um sich an Elses Niederlage noch einmal zu erbauen. Prüfend dreht er die Fichte um und um. Hm! So schlecht ist sie gar nicht. Sie hätte es auch verrichtet. Seine unnütze Auslage, Investition in seinen männlichen Ehrgeiz, beginnt ihn zu reuen.
Zwei Tage später, auf dem Heimweg von der Kaufhalle, trifft Else ihre ehemalige Kollegin Gerda, die einen Jungen an der Hand hält. 
Gerda, lamentiert: „Meine Schwiegertochter mußte ins Krankenhaus, ausgerechnet jetzt! Die Enkel sind da. Nun muß ich einen Christbaum heranschaffen. Wir wollten eigentlich gar keinen aufstellen, aber mit Kindern ist es doch nichts ohne Baum! Na, mal sehen, vielleicht gibt’s beim Förster was Reelleres, billiger als die ausländischen Tannen und das rangeschaffte Grünzeug.“ 
„Kannst von mir einen haben. Komm nur gleich mit.“ –Else holt ihre schmächtige Fichte aus dem Schuppen und fühlt sich dabei mächtig erleichtert. Es war tatsächlich kein Vergnügen, jeden Tag beim Holzholen oder Kaninchenfüttern diese stachlige Blamage so augenscheinlich vor sich zu haben.
„Bist ein Schatz!“ Mehrfach bedankt sich Gerda. Dann, beim Gartentor, dreht sie sich noch einmal um. „Was bekommst du denn dafür?“ 
Else winkt ab: „Laß schon. Ich tu’s für die Kinder.“
Der Junge strahlt. Gerda bedankt sich nochmals, und Else hat für zehn Mark achtzig den ganzen Tag das erhebende Gefühl einer guten Tat.
Das Wetter ist nicht weihnachtlich. Am Weihnachtsmorgen trieft es vom Dach, im Garten halten sich ein paar Schneereste mühsam an grauen Grasbüscheln fest.
„Keine richtige Weihnachtsstimmung draußen“, räsoniert Else in der Küche, „aber den Baum mußt du trotzdem putzen, Emil! Heute ist nun mal der Vierundzwanzigste.“
„Hauptsache, die Gans wird gut“, brummelt Emil und fährt in seine schiefgelatschten Holzpantoffeln.
„Wo hast du den Baum denn eigentlich hingetan?“
„Dumme Frage! Hast ihn doch selber ins Waschhaus gesetzt.“
„Meinen? Den habe ich gestern Nitsches Bernd verkauft. Der wollte unbedingt eine Kiefer, weil sie immer eine hatten. Uns ist das doch egal, Baum bleibt Baum. Nach ein paar Tagen ist der ganze Flimmer sowieso vorbei.“ 
Befriedigt fühlt Emil harte Geldstücke in der Hosentasche. Mit Aufpreis verkauft, als Zwischenhändler sozusagen.
„Und meinen ...“ stottert Else, „habe ich Gerda geschenkt.“
Es ist gut, daß beide einen Stuhl in der Nähe haben.
 

Der Krippenspiel-Stollen
Wolfgang Herold

Bad Reichenhall – Piding, Bayern;Mitte der 50er Jahre
Mitte der 50er Jahre führte die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Bad Reichenhall immer zur Advents- und Weihnachtszeit ein Krippenspiel auf. Das Aufgebot an Laienschauspielern war enorm. Vor allem aus Kindern, die Hochdeutsch sprachen, einige Sätze ohne Lampenfieber auswendig sprechen konnten und einen zumindest lockeren Bezug zum Sudetenland hatten, rekrutierten sich die Legionen von Engeln und Hirten. So durfte meine Schwester, die schon als Kind nach Höherem strebte, wenn auch keinen Erzengel, so doch einen wichtigen Engel spielen, während ich der eher erdverbundenen Schafhütertruppe angehörte.
Gespielt wurde auf der etwas erhöhten Bühne des „Deutschen Hauses“ in Reichenhall und auf der fast ebenerdigen Bühne des Gasthauses „Post“ in Piding. Beiden Bühnen gemeinsam war, daß sie aus Holzbrettern bestanden, die nicht nur bei jedem Schritt knackten und knarrten, sondern die zudem höchstens einmal im Jahr einen Besen – Staubsauger waren damals noch unbekannt – gesehen hatten. 
Das wäre nicht so tragisch gewesen, wenn nicht das Drehbuch den Hirten die wichtige Aufgabe zugewiesen hätte, den Platz vor Bethlehems Stall blitzblank zu kehren, so wie es sich eben für ein deutsches Krippenspiel gehört. Und so fegten wir Hirten, bis sich nicht nur über die Bühne, sondern auch über den Zuschauerraum ein leichter Grauschleier legte, was die Gäste zwar klaglos hinnahmen, aber doch mit Husten und Räuspern quittierten.

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Nach der Aufführung des Krippenspiels im „Deutschen Haus“ in Bad Reichenhall präsentierten wir Mitspieler stolz den langen Christstollen, mit dessen Überzug es eine besondere Bewandtnis hatte.
Das Pikante dabei jedoch war, daß die Hirten dem Christkind als Geschenk einen etwa anderthalb Meter langen Stollen vor die Krippe legten, der vom aufgewirbelten Staub wie mit Puderzucker überzogen aussah. Der Stollen – es war immer derselbe – machte alle fünf bis sechs Aufführungen mit, wobei sein Staubüberzug von Mal zu Mal dicker wurde.
Im Januar, wenn alles gut überstanden war, fanden sich alle Mitwirkenden zu einer Abschlußfeier ein, bei der zu Kaffee oder Tee auch der eingestaubte Stollen, schön in Scheiben geschnitten, gegessen wurde. Die trockene Bühnenluft hatte ihn im Laufe der Zeit so hart werden lassen, daß er sich nur noch genießen ließ, wenn man ihn vorher in Kaffee oder Tee eintunkte. Doch dies blieb meiner Schwester und mir regelmäßig erspart, da uns unsere Mutter vor der Abschlußfeier jeweils die strenge Order erteilte, ja nichts von diesem eingestaubten, ausgetrockneten Krippenspiel-Stollen zu essen. Ich weiß heute allerdings nicht mehr, ob wir uns immer so strikt daran gehalten haben.
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